Kind, Kinderer, behindertes Kind...
…unter dem Titel “Wie ein Schwergewichtsboxer gegen ein siebenjähriges behindertes Kind” verhandelt die TAZ die Auslassungen des Berliner Finanzsenators zu den Ernährungsmöglichkeiten mit den derzeit geltenden Hartz IV – Sätzen.
Was uns Matthias Lore eigentlich sagen will, ist, dass sich Hartz IV-EmpfängerInnen gegen die Zumutungen des Finanzsenators nur schlecht wehren können. Tja – und wer ist schwach und kann sich nicht wehren? Kinder natürlich. Und wer ist schwächer? Behinderte Kinder. Vor allem mit sieben. Logisch.
Logisch? Nun – ich persönlich boxe selten mit Kindern, aber trotzdem: Je länger man die Metapher anschaut, desto schiefer wird sie. (bzw. “sie hinkt gewaltig”, wie Matthias sagen würde…OOOOPS! Schon wieder eine Behindertenmetapher) Ob ein Siebenjähriger oder eine Siebenjährige nun besser oder schlechter boxt, weil er oder sie gehörlos ist, sei mal dahingestellt. Auch bei anderen Behinderungen hängt es sicher auch vom gegenüber ab, wie sehr die Behinderung beim Boxen beeinträchtigt. Könnte ja immerhin sein, dass der “Schwergewichtsboxer” die gleiche Behinderung hat.
Nein. Könnte nicht sein. In dem Gleichnis von Matthias Lore ist klar, dass der Schwergewichtsboxer keine Behinderung hat. Wenn er nicht Normalistaner wäre, hätte es ja heißen müssen: “Wie ein behinderter Schwergewichtsboxer gegen ein ebensolches Kind”. Tja, das sind so die Tücken der Sprache, welche in Normalistan gesprochen wird. Gemeint ist nicht, was gesagt wird, sonst würde es meist auch gar keinen Sinn ergeben.
Genau wie bei der Bezeichnung “Blindtext”. Er heißt nicht etwa so, weil er keine optischen Reize empfängt – das trifft auf alle Texte zu. Nein, er wird nicht angeschaut – denn er ist ja irgendwie behindert. Und Behinderte schauen wir Normalistaner nicht gern an, wir glotzen sie an und haben Mitleid. Weil sie so schwach sind. Und weil das so ist, wäre es gut, wenn uns Normalistanern ab und zu mal ein Blindtext mit dem Taststock auf die Zehen klopft oder ein behindertes Boxerkind Matthias Lore mit dem Rollstuhl gegen das Schienbein knallt.
In diesem Sinne – alle, die diesen Text als Blindtext nutzen wollen, haben meine ausdrückliche Erlaubnis dazu.
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